Nostalgie on DVD

Vor rund 10 Jahren, am 22. Juni 1999, 19:30 Uhr, wurde die erste Ausgabe des Medienmagazins Viewfinder auf dem Fernsehkanal tm3 ausgestrahlt. Redakteur Harald Helmut Weiss, selbst Autor und Regisseur, widmete sich kenntnisreich der damals noch jungen Digital Versatile Disc, der DVD. Der Text Nostalgie on DVD ist eine Abschrift des Manuskripts dieser Sendung.

Kennen Sie das? Obwohl ich genau weiß, wie es weitergeht mit dem neugierigen Girlie und dem eiligen Karnickel, seh' ich Alice im Wunderland immer wieder gerne.

Ich habe den Disney-Film allerdings noch nie in einer solch bestechenden Qualität auf dem Bildschirm bewundern können, wie bei der Vorbereitung zu dieser Ausgabe des Viewfinder.

Alice gibt's nämlich nun auf DVD. Die DVD, die Digital Versatile Disc, sieht aus wie eine herkömmliche CD. Nur passen hier komplette Spielfilme drauf. Und vieles mehr. Hauptvorteil: Die DVD bietet eine überragende Bild- und Tonqualität.

Alice im Wunderland, erschienen bei Warner Home Video, ist da ein ausgezeichnetes Beispiel. Satte Farben, keine Spur von Filmkratzern. Und das, obwohl der Zeichentrickfilm bereits 1951 hergestellt wurde. Neben der deutschen Synchronfassung bringt die DVD endlich den amerikanischen Originalton. In Stereo!

Hauptsächlich erscheinen brandneue Spielfilme auf DVD. Wer Nostalgisches bevorzugt, muss energisch suchen. Zumindest zurzeit noch. Wir von der VIEWFINDER-Redaktion wollen Ihnen diese Suche erleichtern. Und präsentieren Helden, die wir alle gut kennen, durchaus auch in neuer Form, olle Kamellen, die wir aber immer wieder lesen, hören, sehen möchten. Nostalgie on DVD.

Abenteuer eines ausgesprochenen Holzkopfs

Walt Disney wäre sehr schnell ein Fan der DVD geworden. Denn er war Neuem gegenüber äußerst aufgeschlossen. Sicher hätte der detailbesessene Vater der Micky Maus viel dafür gegeben, mit modernen Techniken experimentieren zu können, wie etwa die Macher der Legende von Pinocchio, die MAWA Film & Medien auf DVD herausgebracht hat.

Die größte Schwierigkeit auf dem Weg, aus der Pinocchio-Story einen guten Film zu machen, ist ja die Hauptfigur selbst. Ein naturgemäß etwas hölzern wirkender Protagonist. Beeindruckend zu sehen, wie es hier gelungen ist, die Marionette lebendig werden und wirken zu lassen, ohne dass man je vergisst, der Kerle ist aus Holz. Es klingt widersprüchlich: In der Tat lebt der Film hauptsächlich vom Mienenspiel einer Marionette.

Nächstes Problem: Die Story ist weltbekannt. Wenn Pinocchio lügt, das wissen wir, dann wächst seine Nase. Und auch Pinocchios "Gewissen", die kleine Heuschrecke, ist uns vertraut. Bei Disney hieß sie Jiminy Kricket, diesmal nennt sie sich Pepe. Im Märchen, das Carlo Collodi geschrieben hat, stirbt das im Film so gut gelaunte Insekt übrigens - Pinocchio killt es mit einem Holzhammer. Das ersparte man den Zuschauern bisher. Auch Regisseur Steve Barron lässt Gnade walten.

Dass der Kleine seinen Papa gen Happy End im Bauch eines Wals wiederfindet - auch nichts Neues. Trotzdem ist Die Legende von Pinocchio sehenswert. Altstar Martin Landau hatte an seiner Rolle als Geppetto sichtlich Spaß. Die Sets sind üppig, mit augenscheinlicher Freude gestaltet. Die Möglichkeiten der Computeranimation werden unaufdringlich und stilsicher genutzt.

Beim Film ist's eben wie in der Gastronomie: Es kommt drauf an wie das altbekannte Stück Schwein garniert und serviert wird. Die Legende von Pinocchio, die ist was für den Feinschmecker.