Life in Plastic – It's Fantastic!
„Warum sind die denn aber auch so garstig zu mir?“, lispelt die blonde Stupsnase mit Lammblick. Nun, Barbie Verwöhntie hat ja wirklich alles: Sie sieht toll aus, besitzt maßgeschneiderte Klamotten bis zum Schrankcrash, Traumhäuser, Traumautos, Traumjobs – die volle Kollektion perfektes Leben. Das gibt’s nur im Set mit Bewunderung, aber auch mit Neid und Missgunst.
„Die ist doch magersüchtig!“, giften die Damen von der Fat Watcher Liga. „Mit diesen Maßen (umgerechnet etwa 99-46-84 cm) würde eine reale Frau auf allen Vieren gehen“, freut man sich bei lecker Sahnetorte. Und zitiert genüsslich eine Studie der University of Sussex, die behauptet, dass Barbies Wespentaille für Essstörungen junger Mädchen verantwortlich sei. Außerdem wäre sie unfruchtbar und bekäme kaum Luft, klärt uns das WDR-Wissenschaftsmagazin Quarcks & Co auf. Das hat sie nun!
Dabei ist die Kleine doch eigentlich nur eine Schönheit aus Vinyl, eine Illusion. Der Name Barbie ist zum Synonym für die Anziehpuppe Deluxe geworden. So wie Tempo für Papiertaschentücher und Thermos für Warmhaltekannen. Tja, Barbie kennt sicher auch manchen Traumtypen in der Marketingabteilung. Dafür kriegt sie aber auch gleich wieder Saures. So sieht Bascha Mika, ehemalige Chefredakteurin der taz, in ihr plastikgewordenen Konsumterror: "Sie musste mal ein Reitpferd haben und mal ein paar Golfschläger. Und alles kostet Geld."
Ich lese, sie sei das meistverkaufte Spielzeug der Welt. Bis heute wurden in 150 Ländern mehr als eine Milliarde Barbies verkauft, zwei von dreien außerhalb der USA. Zusätzlich eine Milliarde Modeartikel. Fast 100 Millionen Meter Stoff wurden verarbeitet, versichert uns die Mattel-PR. Doch zurzeit klemmt die Tür zu Barbies Konsumtempel. Matell verdiente 2008 mit etwa 380 MillionenDollar rund 37 Prozent weniger als noch 2007. Für 2009 blinkt drohend bereits weiterer Umsatzverlust. Glücklicherweise feiert Miss Barbie heuer ihren Fünfzigsten. Passt. Die Werbestrategen drehten auf volle Pulle.
Phänomen Barbie all over. Superpartys rosarot, Sonderausstellungen, Sammlerbörsen. Calvin Klein gratuliert, Karl Lagerfeld lässt sich zur Fotosession inspirieren. Welle Möbel erdenkt gleich ein komplettes Barbie-Jugendzimmerkonzept. Barbie auf DVDs, Schulranzen, Etuis, Geldbörsen, sogar auf Imbisstellern sowie Servietten.