Nicht totzukriegen, der Herr Doktor!
Die treibende Kraft hinter dem Spektakel war der Brite Harry Alan Towers. Der quirlige Produzent, Jahrgang 1920, hatte noch vor seinem Dreißigsten mit Mutter Margaret Miller Towers die Firma Towers of London gegründet. Umtriebig stellten sie Hörspielserials und Episoden fürs Fernsehen her. Motto: Geringster Einsatz, bestmögliches Ergebnis.
Gerade hatte sich Towers aufgemacht, nun die Kinosäle zu erobern. Da kam ihm der agile Superschurke gerade recht. (Ich bin mir sicher, der nun bald Neunzigjährige würde die Titel seiner mittlerweile über einhundert Motion Pictures selbst nicht erinnern, ohne zu spicken).
Towers erwarb die Filmrechte gleich aller Werke des Fu-Manchu-Autors Sax Rohmer als Paket, bevor auch nur der erste Film realisiert wurde. Wobei es ihm hauptsächlich um die Namen Fu-Manchu und eben Sax Rohmer ging. Unter dem Pseudonym Peter Welbeck schrieb er die Scripts für alle fünf Filme selbst. Letztendlich verwendete er nur die Figuren, einige Motive, Relikte aus den Storys. Die im Vorspann von Ich, Dr. Fu Man Chu genannte Romanvorlage The Face of Fu Man Chu gibt es sogar nicht einmal dem Titel nach. But, who cares?
In einem Videointerview, das er selbst vor wenigen Jahren in Auftrag gab, um neue Partner und frisches Geld zu ergattern, verrät er für seine „international funny feature films“ freimütig das Erfolgsrezept: „A good deal should be presold by the authors name, the title and the stars. That’s an enormous help.“ ("Ein gutes Geschäft ist es, wenn sich der Film schon im Voraus verkauft, durch den Namen des Autors, den Titel und die Stars. Das ist enorm hilfreich.").
Sax Rohmer, eigentlich Arthur Henry Sarsfield Ward (1883 bis 1959) war ein Vielschreiber und hat Towers sicherlich imponiert. Er verfasste nicht nur insgesamt dreizehn Bücher mit Fu-Manchu und andere Fortsetzungsgeschichten, von ihm stammen auch Comedysketche, Mundarttexte, selbst Lieder. Er arbeitete als Journalist, sogar als Ghostwriter. Klar, dass er einen dauerhaften finanziellen Erfolg herbeisehnte, wie ihn Arthur Conan Doyle mit Sherlock Holmes hatte.
Und so sind seine Helden Nayland Smith und Dr. Petrie von Rechts wegen Sherlock Holmes und Dr. Watson für Arme (Ihre Namen sind sogar rhythmidentisch).
Wie Watson ist Dr. Petrie Erzähler der Abenteuer, zumindest der frühen Episoden. Auch Smith wird gerufen, wenn’s knifflig wird, raucht Pfeife, erblickt am Tatort sofort das, was alle anderen übersehen. Morde geschehen natürlich in verschlossenen Räumen, vom Täter keine Spur, Unterlagen verschwinden geheimnisvoll aus Tresoren. Die Nachbarschaft zu Doyles Helden ist offensichtlich. Eigentlich könnten Smith und Petrie sofort in die Baker Street 221a einziehen.
Fu-Manchu selbst, der Antiheld, wird von Rohmer beschrieben als cool, überlegen und tückisch. Sein Gesicht das eines „Erzengels des Bösen”, das “komplett beherrscht wird von den unheimlichsten Augen, die jemals eine menschliche Seele widergespiegelt haben”. Der Grünäugige ist weltgewandt, ein gebildetes Genie der Naturwissenschaften, Eingeweihter mystischer Kulte. Auch ist er groß und schlank, seine Hände „lang und knochig“, wie wir das aus den Filmen kennen. Aber: Er ist kahl und bartlos. Und das, obwohl der typische lange Hängeschnauzer ja nach ihm als Fu Manchu bezeichnet wird.
