Nicht totzukriegen, der Herr Doktor!

So … jetzt aber … pscht.

Kinogong. Vorhang auf für Ich, Dr. Fu Man Chu. Der wird gleich mal „im Namen des Herrschers des Reiches der Mitte“ hingerichtet. Schon bevor überhaupt der Titelvorspann zu sehen ist. Man hat ihn „zahlloser Verbrechen und unzähliger Gewaltakte für schuldig befunden“. Es grellblitzt, Donner grollt, Trommeln reiben auf. Stoisch, gleichgültig legt der Delinquent seinen Kopf auf den Richtblock. Das wuchtige Krummschwert saust. Aus die Maus.

Blick ins attraktiv gestaltete Menü der KINOWELT-DVD ICH, DR. FU MAN CHU.Der Film heißt nun aber nicht  Ich, der verstorbene Dr. Fu Man Chu. Also: Dieser schreckliche Chinamann kommt wieder. Definitiv. Nicht totzukriegen, der Herr Doktor! Auf vier Fortsetzungen brachte es denn auch folgerichtig die Filmreihe. Alle fünf Streifen sind nun in einer DVD-Box bei KINOWELT HOME ENTERTAINMENT erschienen. Die Discs enthalten jeweils die internationale sowie die deutsche Fassung. Auch die Werbetrailer gibt’s als Extra (bis auf eine Ausnahme) in Englisch und Deutsch.

Als in London der Chauffeur eines Biochemikers mit einem tibetischen Gebetstuch erwürgt wird, ist sich Nayland Smith von Scotland Yard schnell sicher: Fu Man Chu lebt. Und plant Widerwärtiges. Gemeinsam mit Kumpel Dr. Petrie, hier vorgestellt als Pathologe, jagt Smith seinen Widersacher ausdauernd und unbeirrt. Der aber entkommt ebenso ausdauernd.

Regisseur Don Sharp weiß mit dem imposant-breiten Techniscope-Format umzugehen.Fu, der Gemeine, ist hinter einem besonders wirkungsvollen Gift her. Aus dem Samen des Schwarzen Bergmohns destilliert, lässt es das menschliche Eiweiß in Sekunden gerinnen. Deshalb entführt er Professor Merten samt Tochter. Der soll und wird ihm das Kontaktgift zusammenbrauen. Tatsächlich entvölkert Fu Man Chu den kleinen Ort Fleetwick, tötet Tausende. Ähnliches droht er mit London zu tun: „Und schon bald wird mir die ganze Welt gehorchen.“ Dr. Petrie gibt sich ganz psychologisch: „Warum macht er das? Ist er verrückt?“

Klingt gruselig, ist aber eher eine Riesengaudi. Ich, Dr. Fu Man Chu ist effektvoll verfilmtes Groschenheft. Es wird gemeuchelt, gehechelt, getrickst. Man haut sich, man verfolgt sich. Der Film, produziert im imposant-breiten Techniscope-Format, präsentiert ein unterhaltsames Bild der Roaring Twenties. Natürlich kein Bild der historischen 1920er, sondern eines, das durch die 10-Cents-Pulps, billige Abenteuerschmöker, geprägt wurde. Regisseur Don Sharp, ein erprobter Handwerker, nutzt vorhandene Ressourcen gekonnt aus, gibt dem Film den Look eines weitaus höheren Etats.

Die Helden (von links): Nayland Smith (Nigel Green), Dr. Petrie (Howard Marion Crawford), Joachim Fuchsberger darf als Assistent des Professors mitmischen.Die Sets — detailreich und atmosphärisch. Das Arbeitszimmer von Nayland Smith, voller Reisemitbringsel aus dem fernen Osten. Die Labors — es blubbert, wabert, dampft. Für die Ausstattung der unterirdischen, düsteren Steingewölbe, wo der Doktor haust, hat man sicher das komplette Chinarestaurant vor Ort geplündert. Aber: Vollkommen egal, ob die Requisiten authentisch sind, auf die Wirkung kommt es an.

Die Beleuchtung lässt vieles nur erahnen, setzt auf kantige Schatten, Halbdunkel. Überhaupt ist der Film am stärksten in den Momenten, wo er zurücknimmt. Als eine Abtrünnige in Fus hermetisch verschlossener Kammer langsam im steigenden Themsewasser ersäuft, sieht man nur ihre Panik, hört keinen Laut. Selbst Karin Dor schaut gebannt zu, bevor sie in hysterisches Kreischen ausbricht und die bedrückende Stimmung killt.



 
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