Drachenschmied

Für das Paperback von Guy Gavriel Kays The Wandering Fire gestaltete er 1992 eine berauschende Coverillu. Ein grimmiger Seedrache türmt sich gnadenlos über ein hilfloses Schiff. Howe berichtet, wie er bei diesem Gemälde vorging, welche Techniken er für die verschiedenen Bildteile verwendete.Die einzelnen Elemente skizzierte er separat. Drachenkopf, Schiff, auftauchende Körperpartie schob er solange auf dem Papier hin und her, bis alles passte. Im Einsatz: Farbstift, Pinsel, Maskierflüssigkeit, Acrylfarbe, ein harter Radierer. Airbrush-Technik zum Angleichen der unterschiedlichen Partien, auch um die tosende Gischt abzudunkeln. Kniff am Rande: Howe verrät, wo und wann es sinnvoll sein kann, eine mit Wasser gefüllte Spritzpistole abzufeuern.

Auch für Vorlesungen zum Thema Kunst und Kommerz eignet sich Drachen & Giganten. Zwischen den Zeilen findet der Aufmerksame da Einiges. Über den immerwährenden Kampf Künstler gegen Redakteur. Das sind andauernde Rangeleien wie zwischen all den Heiligen Georgs und durchtriebenen Drachen. Speien Verlagsmenschen auch Feuer? Oder nur Gift und Galle?

Zum Brettspiel Beowulf – The Legend wünschte Fantasy Flight Publishing ein knackiges Cover. John Howe, übernehmen Sie! Seine Vorschläge sind bei weitem dynamischer und packender als das, was dann verwendet wurde.

Die Packung zeigt letztlich sogar nur einen Ausschnitt des Howe’schen Opus' vom letzten Fight des alten Königs Beowulf mit einem furiosen Flammenwerfer. Eine anschauliche Lektion für alle Idealisten mit dem Wunschberuf Künstler in den verträumten braunen Augen.

„Ich verbringe die meiste Zeit damit, etwas zu malen, was es gar nicht gibt“, fasst John Howe zusammen. Doch wie wir alle ist er konfrontiert mit Ungemach und Unwägbarkeiten, die es leider tatsächlich gibt. Aber: Er steht ihnen gegenüber, steht seinen Mann, Auge in Auge, nur eben in seiner ganz eigenen eisernen Rüstung. Es sind wertvolle Einblicke in seinen Alltag, seine Arbeitsweise, die er gewährt. Drachen & Giganten – wahrlich ein Lehrbuch der besonderen Art. Und so hat John Howe, der Macher und Magier, hier absolut das Schlusswort verdient: „Das ist das Buch, das ich gerne gehabt hätte, als ich achtzehn war.“


John Howe, Forging Dragons, 2008, Foreword by Guillermo del Toro, David & Charles, Devon, deutsche Ausgabe: Drachen & Giganten, 2009, Edition Michael Fischer GmbH, Hardcover, 128 Seiten, 260 x 230 mm, vierfarbig, 22,90 Euro.
Harald Helmut Weiss, Jahrgang 1954, lebt als Autor und Regisseur in Schifferstadt. Bereits für seinen Erstling, den Kurzfilm Bisher war der einzelne auf sich gestellt ... erhielt er 1977 den Preis der Interfilmjury der Mannheimer Filmwoche. Er ist Inhaber und Geschäftsführer des Medienhauses Galteor Kommunikation. Er engagierte sich beim Start des Privatfernsehens und -hörfunks und war Mitbegründer des Kulturkanals K3. In Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen berichtet er seit 1975 kontinuierlich über Medientrends. Lange Jahre betreute er die TV-Magazine Im Foyer und Viewfinder, die er auch moderierte. Er ist Medienpreisträger des Bezirksverband Pfalz.




 
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