Mrs Peel, wo haben Sie nur gesteckt?

Die zarte Mrs Peel weiß sich durchaus zu wehren, ist Karate-Profi und im Nahkampf erst richtig sexy.Von nun an war jeder zweite Dienstag, Viertel nach neun, reserviert für das ZDF und die Avengers. Wobei damals natürlich kaum ein Zuschauer wusste, dass Mit Schirm, Charme und Melone im Original so hieß, eben The Avengers. Erst recht nicht, dass die Serie in Great Britain schon seit Jahren erfolgreich lief, Steed auf die Zusammenarbeit mit verschiedensten Partnern zurückblickte und die Geschichten mit Mrs Peel bereits aus der vierten Staffel stammten. Aber das machte durchaus Sinn: Vorher wurde nämlich entweder live gerächt oder später ausschließlich in Studiodekorationen. Erst diese 4th Season wurde auf 35mm Film on location gedreht und hatte das gewisse Etwas. Auch waren die Storys um all die durchgeknallten Schurken und schrulligen Spleener selten wieder so betörend-absurd. Märchen aus 1001 Krimi.

Hauptsächlich mit diesen Filmen verbindet man Mit Schirm, Charme und Melone. Und fast jeder, dem ich von meinem Vorhaben berichtete, darüber zu schreiben, meinte schlicht: „Ah … Emma Peel!“

Mit Schirm, Charme und Melone hat nichts von seinem Zauber eingebüßt. Kaum eine andere Fernsehserie aus den 1960ern wirkt so frisch und alterslos. Die Scripts sind derart abgedreht und abwechslungsreich, dass sie auch Avengers-Newbies anmachen. Die wildeste Phantasie bewiesen dabei Associated Producer Brian Clemens und Philip Levene (Schöpfer der Cybernauts), der besonders in den 1950ern und -60ern ungezählte Hörspiele für die BBC schrieb.

Zwischen Bug Bunny und Yogi Bär - Der Killer bevorzugt anderes Spielzeug.Obwohl die Show von brillanten Dialogen voller Ironie und Wortwitz lebt, bestechen auch die zahlreichen visuellen Einfälle. Wenn ein Agent durch ein verlassenes Kaufhaus schleicht, vorbei an Puppen, Teddys und einem putzigen Plastikelefanten, der Killer letztendlich hinter einer lebensgroßen Figur von Yogi Bär hervortritt (Ausverkauf des Todes). Wenn Steed den Bösewicht in Polomanier vom Pferd aus mit einem Transparent traktiert, Aufschrift DOWN WITH VIOLENCE (Tödlicher Staub). Wenn einer im Tropenanzug schwitzend durch den Dschungel flüchtet und die Kamera auf einen Meilenstein schwenkt: London - 23 Miles (Afrikanischer Sommer).

Dazu stilsicher zusammengestellte Sets. Stimmige Dekors. Atmosphärisch dichte Außenaufnahmen. Das passt einfach.

Schnell war jede neue Eskapade von Emma und John am nächsten Tag der Bequatscher überhaupt. In Schule und Betrieb. Hatte man tatsächlich eine Folge verpasst, wusste man sie unbedingt im TV-Nirwana, unerreichbar, für alle Zeiten verloren. Dem modernen Internetuser und Harddisc-Recordler erscheint dies unvorstellbar. Dankbar frohlockte man über jede Wiederholung in einem der dritten Programme. Aber diese wurden erst Jahre später ausgestrahlt.

Dieser Charmeur kann rabiat werden - Geheimagent John Steed, der Ober-Avenger.Kein Wunder, dass Mit Schirm, Charme und Melone bald zum Standardrepertoire gehörte, als 1984 die Zeit der Privatsender begann. Bereits im Programm der PKS, der Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk, des Vorläufers von SAT.1, fanden sich diverse Abenteuer. Zu sehen jedoch nur im Kabelpilotprojekt rund um Ludwigshafen von ein paar Hundert Begünstigten.

Dass die Veröffentlichung von Fernsehsendungen, gar ganzen Serien, als Homevideo später ein äußerst einträgliches Geschäft sein würde, ahnte in der Bundesrepublik zu der Zeit noch keiner.