Mrs Peel, wo haben Sie nur gesteckt?
Komfortabel und genüsslich kann man nun die Originalversion und die deutsche Synchro vergleichen. Die Germanisierung britischen Humors ist ja immer so eine Sache. Als Steed mit dem vom Cybernauten demolierten Jagdgewehr hantiert, meint Emma: „For the man who has everything?“ ("Für den Herrn, der schon alles hat?"). Frau Peel fragt dagegen: „Sieh mal an, will der Herr etwa auf Jagd gehen?“
Als sich Steed in Small Game For Big Hunters mit einem feschen Tarzanschrei ins Urwaldgetümmel schwingt, um seiner bedrängten Lady zu helfen, meint er zitierfreudig knapp „Me Steed!“. In der deutschen Fassung klingt das eher wie ein gewürgtes Krächzen. Und dann erklärt unser Haudegen tatsächlich: „Ich bin es - Steed.“ Und flott ist es gelungen, einen Gag spurlos zu entsorgen (Afrikanischer Sommer).
Steed befreit seine Kollegin aus der Folterkammer von Castle De’ath, wo sie im kessen Nachthemdchen, auf einer Streckbank übernachten musste. Mit Blick auf eine Kneifzange, die sie in Händen hält, meint er „I’m extremely sorry to disturb you.“ Saftiges Beispiel für herrlich Zweideutiges. Herr Steed bleibt förmlicher: „Es tut mir unsagbar leid, dass ich sie geweckt habe.” (Das schottische Schloss).
Auch bei der Übertragung der Episodentitel (oft vergnügliche Wortspiele) bleibt’s manchmal steif-teutonisch. The Girl From Auntie verulkt die zeitgenössische US-Serie The Man From U.N.C.L.E. (bei uns seinerzeit ebenfalls im ZDF als Solo für O.N.K.E.L.). Solch eine Neckerei geht unter wie ein Betonklotz, wenn man umtitelt in Mrs. Peel, zum ersten, zum zweiten, zum dritten. Room Without A View wird zu Geschlossene Räume (Warum nicht zum Zimmer ohne Ausblick?), Touch Of Brimstone zu Die Nacht der Sünder – leider ohne den gewissen Hauch Schwefel.
Trotzdem: Vornweg Werner Peters und sein Team der Berliner Rondo-Film, die die ZDF-Synchro besorgten, haben ausgezeichnete Arbeit geleistet. Peters, wir kennen ihn etwa als Hauptdarsteller der Literaturverfilmung Der Untertan und aus einigen Edgar-Wallace-Streifen, war leidenschaftlich Schauspieler und enthusiastischer Synchronkünstler. Er schrieb für Mit Schirm, Charme und Melone die Textbücher, führte Dialogregie. Oft hören wir ihn auch selbst in verschiedenen Rollen. Vor allem aber die beiden Sprecher Gert Günther Hoffmann und Margot Leonhard bringen das neckische Wortgeplänkel zwischen Steed und Peel glänzend rüber. Mit Stimme, Charme und Spielfreude. Achtzehn Schwarzweiß-Episoden wurden von Rondo-Film bearbeitet.
Hoffmann agierte zwar auch vor der Kamera (etwa im Jerry-Cotton-Film Um Null Uhr schnappt die Falle zu) war aber hauptsächlich Stimme. Kein Wunder, dass Sean Connery, Rock Hudson oder selbst Captain Kirk von der Enterprise meist klingen wie Steed. Oder umgekehrt. Margot Leonhard hört man auch in Kommissar-X- und Karl-May-Filmen. In der Glanzzeit des Hörspielkrimis in Fortsetzungen war sie bei der Aufklärung des Fall Alex dabei, neben Paul Klinger als Paul Temple.
