Mrs Peel, wo haben Sie nur gesteckt?

John Steed und Emma Peel - die außergewöhnlichsten Agenten, die je auf der heimischen Mattscheibe erschienen.Wie gekonnt diese Synchros wirklich waren, erkennt man auf den ersten Lausch, wenn man sie mit den SAT 1-Versionen oder gar mit Das Mörderinstitut vergleicht (gnadenlose Deutschfassung von The Murder Market), das seine BRD-Premiere erst 2003 bei Kabel Eins erlebte. Hoffmann, verstorben 1997, stand nicht mehr zur Verfügung. Und die grandiose Margot Leonhard war schon vorher nicht mehr dabei. Aber ob man nun geduldig den völlig fehlbesetzten Hans-Werner Bussinger erträgt oder zum Original umschaltet, kann man jetzt selbst entscheiden. Dann hat die Qual ein Ende. Seltsam, dass KINOWELT für das Menü der DVD, die Das Mörderinstitut enthält, gerade einen Take mit Bussinger auswählte. Steckt dahinter perfide Foltermethode? Müsste solch außergewöhnliche Untat nicht gerächt werden mit außergewöhnlichen Methoden?

Unterlegt aber bitte mit Musik von Laurie Johnson. Sein Titelthema tänzelt nach all den Jahren leichtfüßig und beschwingt wie eh. Unterstreicht die Nonchalance der Serie und passt einfach perfekt zur Montage der Schwarzweißfotos des Openers der vierten Staffel. John Steed ohne diese Melodie? Undenkbar. Kaum zu glauben, dass es sich ursprünglich um Production Music handelte, also eigentlich um Konservenmusik, die gar nicht speziell für eine bestimmen Film komponiert wird. The Shake nennt sich der Johnson-Titel, der, ein wenig abgewandelt, bald zum musikalischen Synonym wurde für The Avengers. Ab der Emma-Peel-Epoche hat Johnson die Musik geliefert. Teilweise Themen, die wiederholt eingesetzt wurden, gekürzt, verlängert, etwa bei Spannungsszenen oder Verfolgungsjagden. Der Komponist, Arrangeur und Dirigent bietet aber auch Maßgeschneidertes.

Emma Peel und ihr Tanz der Sieben Schleier - Honig für die Augen des Prinzen.Der britischen Demon Music Group hat er sein Archiv zugänglich gemacht. Erstmals wurden für eine Veröffentlichung die Mastertapes verwendet. Eine der drei Compact Discs des Startsets von 50 Years Of The Music Of Laurie Johnson bringt rund siebzig Minuten Musik aus insgesamt sechzehn Episoden der Avengers, ausgewählt vom Meister selbst. Darunter den ergötzlichen March Of The Butlers aus What The Butler Saw (Butler sind gefährlich) und die prickelnde Begleitmusik zu Emmas drollig-erotischem Tanz der Sieben Schleier aus Honey For The Prince (Honig für den Prinzen).

Allein diese CD lohnt den Kauf. Dazu belegen die beiden weiteren die Bandbreite des Könnens von Laurence Reginald Ward („Laurie“) Johnson. Meistenteils ist dies natürlich Musik zu Kino- und Fernsehfilmen. Etwa aus dem Stanley-Kubrick-Klassiker Dr. Strangelove , der H.-G.-Wells-Verfilmung First Men In The Moon oder aus Serien wie The Professionals (Die Profis).

Aber Laurie Johnson hat auch mit hörbarer Begeisterung Militärmusik gemacht, Märsche und Fanfaren geschaffen. Seine Royal Tour Suite begleitete die Queen 1976 zur Zweihundertjahrfeier der Vereinigten Staaten. Im Auftrag des Verteidigungsministeriums entstand Falklands Salute zum 25. Jahrestag des Falklandkrieges von 1983.

50 YEARS OF THE MUSIC OF LAURIE JOHNSON - 70 Minuten Musik aus MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE.Immer wieder marschiert auch die Musik für die Avengers im Paradeschritt , zeigt Johnson seine Vorliebe für Snaredrums und Pauken. Mit Hingabe orchestriert er Steeds Besuch bei Heer, Marine und Luftwaffe in What The Butler Saw mit zackigen Variationen der Titelmelodie. Als unser Held einem Panzer entsteigt, ertönt das Avengers-Thema mit pfiffigem River-Kwai-Touch. Dieses Prachtstück ist leider nicht auf der CD zu finden.

Dafür Return of the Cybernauts. Im Rhythmus eines menschlichen Herzschlags steigert sich diese Komposition. Kaum erklingt sie, erscheint auf meiner inneren Leinwand einer der furchtbaren Roboter. Die Metalljungs waren so eindrucksvoll, dass sie bereits kurz nach ihrem ersten schlagfertigen Auftritt ein Comeback erlebten. Erst recht ein Grund, der kommenden KINOWELT-Box entgegenzusabbern. Die wird die Staffel fünf von The Avengers enthalten, die erste, die in Farbe produziert wurde. Darunter Return of the Cybernauts, in Deutschland hieß das Und noch einmal Roboter (Geplanter Erscheinungstermin: 21. August 2009).

Aber bevor ich vergehe vor Ungeduld, schnappe ich mir jetzt gleich Disc 1 der Schwarzweiß-Edition. Und werde es gleich erneut hören, jenes pfeifende Zischen, als würde eine Peitsche die Luft zerteilen.

 

Der Autor

Harald Helmut Weiss lebt als Autor und Regisseur in Schifferstadt. Bereits für seinen Erstling, den Kurzfilm Bisher war der einzelne auf sich gestellt ... erhielt er 1977 den Preis der Interfilmjury der Mannheimer Filmwoche. Er ist Inhaber und Geschäftsführer des Medienhauses Galteor Kommunikation. Er engagierte sich beim Start des Privatfernsehens und -hörfunks und war Mitbegründer des Kulturkanals K3. In Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen berichtet er seit 1975 kontinuierlich über Medientrends. Lange Jahre betreute er die TV-Magazine Im Foyer und Viewfinder, die er auch moderierte. Er ist Medienpreisträger des Bezirksverband Pfalz.

Quellenhinweis

Das verwendete Bildmaterial stammt von der KINOWELT HOME ENTERTAINMENT GmbH, Leipzig, und aus dem Archiv von Galteor Kommunikation Gesellschaft für audiovisuelle Medien mbH, Schifferstadt.

 

 

 


 

 




 
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