Bewahrenswert
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Seit bald vier Jahren besteht eine Historische Kommission des Deutschen Rundfunks, eine kleine Arbeitsgruppe mit dem Sitz in Frankfurt am Main. Sie hat das Ziel, die Geschichte unseres Rundfunks möglichst lückenlos zu schreiben und zu durchleuchten sowie alle Dokumente, die diesem Zweck dienen, aufzuspüren und zu bewahren. Ein schönes und wichtiges Ziel in unserer schnelllebigen Zeit …
Dabei bleibt die Feststellung manchen unwiederbringlichen Verlustes nicht erspart:
1. Im Jahre 1933 haben die Nationalsozialisten – ohne Achtung vor dem damals zehnjährigen erfolgreichen Aufbauwerk des Deutschen Rundfunks – Manuskripte, Akten, Hörspielbücher, Protokolle, Briefwechsel u. a. sinnlos vernichtet, weil die Dokumente vielleicht Namen jüdischer Autoren oder Unterschriften politischer Gegner trugen.
2. In den Jahren zwischen 1939 und 1945 sind außerordentliche Werte (man denke nur an die Schallarchive) durch Kriegseinwirkung verlorengegangen.
3. In den ersten Jahren nach 1945 hat man aus verschiedenen Gründen Materialien und Unterlagen aller Art sichergestellt oder vernichtet, die für eine heutige Geschichtsschreibung nur schwer rekonstruierbar sind.
Bisweilen hat die Beschlagnahme allerdings gerade bewirkt, dass Berichte, Bänder, Akten usw., die vielleicht unbedacht zerstört worden wären, konserviert wurden und heute zum Teil wieder zur Verfügung stehen ...
Im Herbst 1958 besteht unsere Rundfunk-Organisation 35 Jahre. Das ist, verglichen mit der Weltgeschichte, eine kurze Spanne Zeit. Das ist, verglichen mit anderen Epochen, eine in ihrer kulturellen Auswirkung ungewöhnlich erfüllte Zeit. Rundfunk und Fernsehen sind aus unserem Jahrhundert nicht fortzudenken. Bewahren wir achtungsvoll Ideen, Werte und Leistungen, die hinter dem flüchtigen Schall und Bild stehen.
HÖR ZU, Ausgabe 16, 1958
