Gebührenerhöhung?
Die Rundfunkanstalten erklären gern, dass seit über drei Jahrzehnten zwei Dinge nicht teurer geworden seien: die Bahnsteigkarten und die Rundfunkgebühren. Dabei könne heute jeder Hörer mindestens drei Programme empfangen, und zwar in schönster UKW-Qualität. Die Bahnsteigkarte sei übrigens neuerdings teurer geworden: Sie kostet zwanzig Pfennig. (In anderen Ländern kostet sie gar nichts.)
Etwas weniger wird betont, dass „früher“, nämlich schon 1927, fast überall in Deutschland rund zehn (!) verschiedene Rundfunkprogramme zu hören gewesen sind: Damals gab es im Reichsgebiet zwei Millionen Teilnehmer, die monatlich vier Millionen Mark zahlten. Heute gibt es im Bundesgebiet 15 Millionen Teilnehmer, die 30 Millionen Mark im Monat bringen.
Und doch gehen die Rundfunkanstalten bitteren Zeiten entgegen … wenn man dem Verwaltungsdirektor des Bayerischen Rundfunks glauben will. Er hat vor kurzem auf einer Pressebesprechung erklärt, in einigen Jahren könnten die laufenden Kosten für den Betrieb einer Rundfunkanstalt nicht mehr durch die Zwei-Mark-Gebühr gedeckt werden …
Es wird gut sein, diesen Versuchen sofort entgegenzutreten. Am besten setzen wir gleich eine eigene These dagegen. Sie lautet: Wenn überhaupt an den Gebühren gerührt wird, dann nur mit dem Ziel, sie zu senken! Über die Höhe des Abstrichs und den Zeitpunkt kann man diskutieren. Da wird sich eine Regelung finden lassen.
Und gleich ein zweiter Vorschlag: Die Gebühren bleiben in derselben Höhe wie bisher; aber es werden von ihnen bestimmte Hundertsätze für besondere Aufgaben abgezogen, die überregionalen Charakter haben. Dazu gehören die Mittel für ein gut ausgebautes Kurzwellenprogramm, für ein ausgezeichnetes Langwellenprogramm und für eine Anstalt auf Bundesebene, die ein Zweites Fernsehprogramm ausstrahlen könnte.
HÖR ZU, Ausgabe 26, 1958

HÖR ZU, Ausgabe 22, 1958, Titelbild Maikäfer flieg!,
gestaltet von Troels Marstrand (Künstlername Jac Mars)
gestaltet von Troels Marstrand (Künstlername Jac Mars)
Das britische Rundfunkpublikum wünsche sich ein Programm ähnlich dem englischen Wetter, erklärte der Präsident der BBC bei einer Konferenz. Es wolle schimpfen, sich empören und Protestbriefe an Abgeordnete und Zeitungen schreiben können. „Wenn wir dem nicht Rechnung tragen, berauben wir die Hörer eines guten Teils ihres Vergnügens.“ Ein ununterbrochenes Senden beliebter und beliebtester Sendungen wäre der Niedergang des Rundfunks. Die Programmgestaltung müsse allen Hörern dienen, auch den Minderheiten.
HÖR ZU, Ausgabe 22, 1958, Kurz und bündig
Bei der BBC London häufen sich die Klagen der Hörer, dass die Wetternachrichten zu trocken seien, während sie doch in Wirklichkeit eine der interessantesten Sendereihen des Rundfunks sein könnten.