Stattgegeben!
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n voller Länge und Pracht gibt es nun alle dreißig Episoden der Staffel von Perry Mason auf DVDs von Paramount Home Entertainment. Zwei Sets enthalten insgesamt acht Glanzscheiben, schwarzweiße, kontrastreiche Bilder, knackig abgetastet vom 35-mm-Zelluloid. Wahlweise kann man sich für den deutschen oder den englischen Ton entscheiden. Auch lassen sich Untertitel in beiden Sprachen zuschalten. Mir macht es macht immer wieder entscheidendes Vergnügen, Original- und Synchronfassung zu vergleichen. Auffällig: Die deutschen Episoden titeln meist ein wenig einfallslos, nicht so spielerisch wie im Original. Aus dem Petulant Partner (einem launischen, verdrießlichen Partner) wird ein rachsüchtiger Tankwart. Die gefährliche Witwe (Dangerous Dowager) mutiert zur herrischen Großmutter (Dabei ist die alte Dame eigentlich nur kämpferisch).
Petulant Partner, Dangerous Dowager – derartige Alliterationen (Wortfolgen mit identischen Anfangsbuchstaben) findet man häufig bei den Originaltiteln. Sie gehen auf die Buchtitel von Erle Stanley Gardners Perry-Mason-Romanen zurück. Bereits seine erste überhaupt veröffentlichte Kurzgeschichte Nellie’s Naughty Nightie zeigt diese neckische Neigung. Immerhin basieren vierzehn Episoden der zweiten Staffel auf echten Gardners. Warum nannten die Deutschmacher The Case of the Pint-Sized Client Der Fall mit dem ehrlichen Finder? Warum nicht Der Fall mit dem dreisten Dreikäsehoch? The Case of the Perjured Parrot (Der Fall mit dem unvereidigten Papagei) hätte doch auch einen munteren Meineid-Papagei abgegeben. Nun ja. Selbst Perry Mason hätte ihn verloren, den Fall mit den tumben teutonischen Titeln.
Noch einen Extrawunsch hab ich: Eine zusätzliche DVD mit Perry-Mason-Kinofilmen. Denn fünf dieser Streifen beruhen auf Gardner-Storys, die auch für die zweite TV-Staffel verfilmt wurden. Bereits kurz nach Erscheinen des ersten Mason-Romans The Case of the Velvet Claw (1933) hatte sich Warner Bros. Pictures die Filmrechte an einigen Perrys gesichert. Eigentlich verdanken wir diesen Werken die Fernsehserie, so wie wir sie kennen. Denn Gardner war über die Qualität derart entsetzt, dass er noch 1964 einem Reporter von TV Guide versicherte, die Brothers hätten vorgehabt, seinen Helden zu ruinieren. Dreimal versuchte sich Warren William als Mason, darunter in den Filmen The Case of the Howling Dog (1934) und The Case of the Curious Bride (1935). In whiskeyseeliger Komödienlaune wollte man mitanstoßen auf den Erfolg des Hits Der dünne Mann (1934), einen kommerziell sehr beglückenden Krimispaß, in dem ordentlich gebechert wird. In The Case of the Lucky Legs (1935) darf Perry Mason denn auch schon mal betrunken hinter seinem Schreibtisch schnurcheln, William gibt leutselig den angeschickerten Possenreißer, Drake wird Spudsy genannt.
The Case of the Black Cat (1936) brachte dann Ricardo Cortez auf die Leinwand, eine Art Rudolfo Valentino für die Nachmittagsvorstellung.
The Case of the Stuttering Bishop (1937) ließ Donald Woods so aufregend agieren wie einen langsam abtauenden Kühlschrank.
The Case of the Dangerous Dowager wurde gar 1940 zum Western Granny Get Your Gun. Hier jagt Flintenweib Minerva „Granny“ Hutton (May Robson) den Killer durch Gold City. Wobei der Drehbuchautor zumindest gnadenvoll darauf verzichtete, einen trunksüchtigen Sheriff Wyatt Mason draufzusatteln. Erle Stanley Gardner soll geweint haben, als er diesen 55-Minüter sah. Nie wieder würde er die Kontrolle über seinen Perry aus der Hand geben. Er widerstand einem vielstelligen Angebot, die kompletten Fernsehrechte teuer zu verkaufen, gründete Paisano Productions, scharte eine Reihe von Professionals um sich und machte seine TV-Serie selbst.
