Super, Mann!

 
Julius „Julie“ Schwartz (19. Juni 1915 bis 8. Februar 2004) war von 1971 bis 1985 Superman-Redakteur. Echt lange Zeit. 1985 wurde er siebzig und hörte auf bei DC. „When I gave up editorship of Superman after over six hundred Superman-related stories, I decided that I had to have him go out with a bang”, erinnert er in seiner Autobiographie Man of Two Worlds – My Life in Science Fiction and Comics (2000, HarperEntertainment).

Oh ja! Bang! Und was für einer. Die letzten von ihm betreuten Volumes, Action Comics 583 und Superman 423, sahen aus, als seien sie wirklich die Endgültigen. Als würden beide Serien eingestellt. Kehraus für Superman, verteilt auf zwei Hefte. Auf jeden Fall für den Superman, den ich kenne. THE END einer Ära. Abblende. Sowas hab ich im Hirnventar. Doch oft kommt ja auch ein Nachdruck genau zur rechten Zeit.    

Als ich Kalle fünfzehn Euro gebe, brennen meine Augen ein wenig. „Stimmt so“, töne ich generös (14 Euro und 95 Cent kostet das Werk; ich kann gut schauspielern). Die Pupillen von Mister Comicothek weiten sich. Und ich bin sicher, ich höre dezentes Kassenklingeln. Coing!

Rücklagen hin, Reserven her. Pah! Der Mann von Morgen ist mir das wert. Immerhin tourt er mit mir schon seit September 1966 durchs Leben. Damals hat der Ehapa Verlag seine erste deutsche Superman-Ausgabe an die Kioske gebracht. Mit fettem Werbeetat. Sogar an jeder Litfasssäule weit und breit klebte ein buntes Plakat. Ich klebte daneben und gaffte. Natürlich habe ich mir das Heft für eine Mark gekauft. Ich schließe die Augen und fühle mich seit Tagen zum ersten Mal geborgen.

Sonntag, 11. Juli
Schatzi ist bei Schwiegermonster zum Essen. Ich hab verdorbenes Sushi vorgetäuscht, genieße die Ruhe und meine Neuerwerbung.  Kissen aufschüttelt. Sich zurücklehnt.

Ich begleite einen Zeitungsreporter zu Lois Lane. Geng-Klang. Für die geplante Ehrenausgabe des Daily Planet  recherchiert er über Supermans Verschwinden vor rund zehn Jahren. Lois, die inzwischen einen graumelierten Herrn Elliott geheiratet hat und Mami von Baby Jonathan ist, hat den Man of Might damals als letzte lebend gesehen. Sie soll berichten über die finalen Tage Supermans.

Die waren ganz schön heftig. Zeitgenossen, die bisher eher als Nervenbeißer auffielen, werden plötzlich zu Killern. Bizarro, Supermans Zerrbild und früher purer Tollpatsch, randaliert, tötet Menschen, am Ende sich selbst.
Toyman und Prankster, ansonsten eher verspielte Kinder im Kriminellen, martern und morden. Sie foltern einen Freund Supermans, damit er dessen Geheimidentität verrät. Schlagzeile: Clark Kent ist Superman. Rumms!

Aber der Mann aus Stahl weiß, es kommt noch doller: „Wenn die ehemaligen Nervensägen als Killer zurückkommen … als was kommen die Killer zurück?“ Auf jeden Fall kommen sie im Gleichschritt – der schimmernde Kryptonite Man, eine Horde Metallos, die Legion der Superschurken. Maschinenmonster Brainiac übernimmt den Körper von Lex Luthor. Doch das Mean-Team plumpst letztlich saftlos ins ewige Eis. Plotz! Viele Badster tun bald ihren letzten Schnapper. Aber auch etliche von Supermans Kumpels überleben die 47 Seiten nicht. Lana Lang stirbt, Jimmy Olsen. Selbst das treue Hundi Krypto opfert sich für Superherrchen. Wawuff!

Drahtzieher ist Mxyzptlk (Doch! Man kann das aussprechen: Mix-yis-pitt-lick!). Den kennt der Eingeweihte als putziges Männchen mit lustigem Hut, der leidenschaftlich den Supergeduldigen foppt. Er kommt aus der Fünften Dimension und bringt gratis heilloses Chaos mit. Putziges Männchen? Ha! Mister M zeigt hier seinen wahren miesen Charakter und seine wahre hässliche Gestalt: „Hast du denn geglaubt, ein Magier aus der Fünften Dimension sieht aus wie ein kleiner Mann mit Hut?“
Aber auch er wird entsorgt.

Autor Alan Moore wischt auf im Supieversum. Hossa! Moore hat ja nun schon oft bewiesen, dass er kein Panel auf dem anderen lässt. Sein zwölfbändiger ZyklusWatchmen veränderte die Welt der gezeichneten Superheroes nachhaltig. Auch bei Whatever Happened to the Man of Tomorrow? sprengt er Grenzen. Broch! Er respektiert Supermans Silver Age. Aber er stiehlt ihm die Unschuld. Er variiert, er ergänzt, er vitalisiert.

Das funzt allerdings nur deshalb so wunderbar, weil Curt Swan es gezeichnet hat. Swan ist für viele der Superman-Artist überhaupt. Bereits 1948 skizzierte er die erste ungezählter Stories The Man Who Bossed Superman. 1955 wurde er zum Stammzeichner der Serie. Das blieb er über 30 Jahre.

“Superman only looks right when drawn by Swan”, schwärmelt Aric Shapiro, Sammler von Originalen, auf comicartfans.com.